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Hier finden Sie die Langversion des Interviews «Siedlung Letzi» aus dem Geschäftsbericht 2025 der Stiftung Familienwohnungen.

Die Ge­sprächs­part­ne­rin­nen

Eine Frau mit lockigem dunklem Haar und Brille, die einen blaugrünen Rollkragenpullover und einen schwarzen Blazer trägt, lächelt in die Kamera vor einem neutralen Hintergrund.
Andrea Wieland, SFW-Geschsftsführerin, kam in der «heissen Phase von Erstvermietung und Bezug» zum Projekt Letzi dazu. Sie hebt hervor: «In der Miteigentümergemeinschaft kamen wir rasch zu einem gemeinsamen Verständnis.»
Eine ältere Frau mit kurzen blonden Haaren, die einen blauen Blazer und ein gemustertes Oberteil trägt, lächelt, während sie an einer hellen Wand sitzt.
SAW-Direktorin Andrea Martin-Fischer: «Ich bin in das Projekt hineingewachsen – und gemeinsam sind wir zu einer starken Kooperation geworden.»
Eine Frau mit lockigem Haar und Brille, die ein weißes Hemd trägt, steht in einem Haus vor einem Hintergrund aus hellem Holz und Beton und lächelt in die Kamera.
«In der Miteigentümergemeinschaft packen wir Themen rasch an und bringen sie weiter – lösungsorientiert und direkt», so Yvonne Züger, Portfoliomanagerin bei LSZ.

Im Interview bezeichnet «Miteigentümerinnengemeinschaft (MEG)» die gemeinsame Trägerschaft der drei beteiligten Bauträgerinnen. Im weiteren Text wird dafür die Abkürzung MEG verwendet.

Die ers­ten Be­woh­ner*innen sind ein­ge­zo­gen. Was zeigt sich in die­ser An­fangs­pha­se – wie lebt es sich in der Sied­lung Letzi?

Andrea Wieland (SFW): Es ist lebendig, manchmal auch laut. Es ist noch früh, vieles ist noch im Aufbau, aber man spürt Bewegung – volle Veloräume, erste Rückmeldungen aus dem Gewerbe, Menschen, die ankommen.

Andrea Martin-Fischer (SAW): Der Aussenraum ist noch nicht ganz fertig, und die Jahreszeit lädt nicht ein, draussen zu verweilen. Im Frühling wird das Leben sichtbar, und der Aussenraum wird zu einem Ort des Zusammenkommens.

Yvonne Züger (LSZ): Man sieht schon jetzt Veränderungen: Das Gewerbe ist beschriftet, im Gemeinschaftsraum sind Ergebnisse des Workshops ausgehängt, und die prägnanten 3D-Orientierungstafeln sind montiert – die Siedlung wirkt schon viel weniger steril als bei der Abnahme. Es wird farbiger, bewohnter.

Vier Personen sitzen in einem modernen Büro um einen Tisch herum und führen eine Diskussion. Auf dem Tisch stehen Wassergläser und ein Krug. Natürliches Licht fällt durch große Fenster im Hintergrund.
Die drei Bauträgerinnen LSZ, SAW und SFW im Gespräch im Gemeinschaftsraum der Siedlung Letzi.
Wel­che Vor­tei­le bie­tet die ge­misch­te Trä­ger­schaft ge­gen­über Ein­zel­pro­jek­ten?

Andrea Martin-Fischer: Die SAW ist verpflichtet, günstigen Wohnraum für ältere Menschen zu schaffen. Heute wissen wir aber: Ein Haus ausschliesslich für ältere Menschen entspricht nicht mehr den gesellschaftlichen Erwartungen. Die Kooperation ermöglicht eine gute Durchmischung – altersmässig wie auch sozial. Für uns ist das eine wertvolle Ergänzung.

Andrea Wieland: Unsere Zielgruppe sind Familien. Generationengerechtes Wohnen bedeutet für uns: nicht nur Eltern und Kinder, sondern das Zusammenspiel aller Generationen. Genau hier bietet die gemischte Trägerschaft einen Mehrwert. Was ich besonders schätze, ist der Wissensaustausch. Jede Organisation bringt Erfahrung mit – wie man ein Thema angeht und welche Lösungen sich bewährt haben. Vieles wurde in dieser Kooperation erstmals ausgehandelt. Daraus lernen wir für zukünftige Projekte enorm viel.

Die SFW sieht in sol­chen Ko­ope­ra­tio­nen ein Mo­dell mit Zu­kunft. Wie schät­zen Sie die wei­te­re Ent­wick­lung ein?

Andrea Wieland: Ich hoffe sehr, dass wir auch bei künftigen Projekten wieder eine so konstruktive MEG haben werden. Wir fanden als Team jeweils schnell zum Kern einer Sache, kamen rasch zu Entscheidungen. Auch Erfahrungen zu Gewerbe oder Vermietungsprozessen fliessen in kommende Projekte ein. Und der gemeinsame Spirit, etwas zu entwickeln, wirkt sehr motivierend.

An einem sonnigen Tag mit blauem Himmel und kahlen Bäumen fährt eine Person mit dem Fahrrad an modernen, mehrstöckigen Wohnhäusern vorbei.
Die Siedlung Letzi zwischen Hohlstrasse und Gleisfeld – eingebettet in ein urbanes Umfeld mit direktem Bezug zum Quartier.
Drei Bau­trä­ge­rin­nen, drei Per­spek­ti­ven – wie funk­tio­nier­te die Ko­or­di­na­ti­on über alle Pha­sen hin­weg?

Yvonne Züger: Gerade weil wir auf Augenhöhe zusammenarbeiten, braucht es eine koordinierende Stelle. Mit Simon Ettlin hatten wir einen unabhängigen, externen Koordinator, der die Fäden gesammelt, Themen vertieft und Entscheidungsgrundlagen erarbeitet hat. Ohne diese Rolle wäre es sehr schwierig gewesen, weil diese Ressourcen bei den drei Eigentümerinnen fehlten. Das wurde uns erst im Verlauf des Projekts richtig bewusst.

Andrea Martin-Fischer: Tatsächlich war Simon Ettlin bereits der dritte Koordinator. Die beiden vorherigen haben uns vor Augen geführt, wie komplex diese Aufgabe ist. Die drei Organisationen sind unterschiedlich aufgebaut, mit eigenen Prozessen und Kulturen. Das alles zu bündeln, ist anspruchsvoll, hat sich jedoch mehr als gelohnt.

Andrea Wieland: Für zukünftige Projekte – etwa an der Thurgauerstrasse mit noch mehr Akteuren – ist klar: Koordination ist zentral. Wir haben viel gelernt, worauf es bei der Auswahl einer solchen Person ankommt.
Ein Beispiel für gelungene Koordination ist zugleich ein grosses Highlight für mich: Wir konnten an einem Tag 53 Wohnungen übergeben, und innert zwei Wochen waren alle Familien eingezogen. Das gelang nur, weil die Teams aller drei Organisationen eng zusammengearbeitet haben. Für mich ein Zeichen, was koordinierte Kooperation leisten kann.

Haben Sie auch im Den­ken über Woh­nen, Nach­bar­schaft und Ver­ant­wor­tung von­ein­an­der ge­lernt?

Andrea Martin-Fischer: Die Siedlung hat drei Häuser mit spezifischen Zielgruppen. Die Bedeutung der Durchmischung kristallisierte sich im Projekt immer mehr heraus. Ein gutes Zusammenleben ergibt sich nicht von selbst. Es war uns bewusst, dass wir dieses aktivieren und organisieren müssen und wollen – deshalb ist das Siedlungscoaching so wichtig.

Yvonne Züger: Ich bin gespannt auf die Kunst-am-Bau-Prozesse, die wir partizipativ gestalten. Alle sollen mitwirken können. Wir hoffen, dass das die Bewohnenden nochmals stärker verbindet.

Andrea Wieland: Es zeigt, wie früh man sich Gedanken machen muss – über Nutzung, Teilhabe, Zugänglichkeit.

Wie wird die Ko­ope­ra­ti­on nach dem Bezug fort­ge­setzt?

Yvonne Züger: Wir haben weiterhin feste Austauschgefässe: MEG-Versammlungen und deren Ausschuss, in dem Fragen zur Bewirtschaftung und zum Facility-Management zusammenkommen. Dort werden auch künftig gemeinsame Investitionsentscheide gefällt.

Andrea Martin-Fischer: Für das Siedlungscoaching erhalten wir Fördergelder (Anm. d. Red. über die Age-Stiftung). Damit verbunden sind Reportings und eine Evaluation. Diese Ergebnisse fliessen in die MEG zurück und helfen uns, zu reflektieren, wie sich das soziale Zusammenleben tatsächlich entwickelt.

Andrea Wieland: Für uns ist es eine grosse Lernchance. Wenn die erste Phase vorbei ist – Bezug, erste Heizperiode – wollen wir in Ruhe auswerten: Was hat funktioniert? Was nicht? Und wie können wir diese Erkenntnisse für kommende Projekte nutzen. Als die kleinste Organisation in dieser Runde profitieren wir dabei besonders.

Was wäre al­lein nicht ge­lun­gen – was hat das Pro­jekt über in­sti­tu­tio­nel­le Gren­zen hin­weg mög­lich ge­macht?

Andrea Wieland: Die SFW hätte die 260 Wohnungen mit dieser Durchmischung nicht allein realisieren können. Nicht weil wir es planerisch oder finanziell nicht könnten, sondern weil echte soziale Vielfalt nur gemeinsam entsteht. Und gerade diese Vielfalt aus unterschiedlichen Bewohnenden und Nutzungen bereichert die Siedlung. Davon profitiert auch das Quartier.

Vier Frauen sitzen um einen Tisch in einem hellen, modernen Raum, lächeln und unterhalten sich, vor ihnen stehen Gläser mit Wasser und Papiere.
Wie spie­gelt sich diese Viel­falt in der Ar­chi­tek­tur und den Frei­räu­men wider?

Yvonne Züger: Der Hochhausbau wurde bewusst dem Alterswohnen zugeordnet, damit die Familien näher am Innenhof und Spielbereich wohnen können.

Andrea Wieland: Zugänglichkeit ist ein zentrales Thema – für Kinderwagen und Rollatoren gleichermassen. Flache Wege, leichte Türen, zugängliche Gemeinschaftsräume. Die Waschsalons im Erdgeschoss sind bewusst als Begegnungsorte gedacht.

Yvonne Züger: Und wir haben zwei Gemeinschaftsräume, die allen offenstehen. Das ist ein wichtiges Angebot für gemeinschaftliche Anlässe.

Das Zu­sam­men­le­ben wird durch ein Sied­lungs­coa­ching be­glei­tet. Wie ist die Be­glei­tung or­ga­ni­siert, und was ist das Ziel in der Start­pha­se?

Andrea Wieland: In der Startphase geht es ums Aktivieren: Räume, Gruppen, Nachbarschaften. Auch ein gut ausgestatteter Gemeinschaftsraum bespielt sich nicht von selbst. Das Coaching zeigt Möglichkeiten auf, führt Menschen zusammen und unterstützt – auch bei ganz praktischen Fragen.

Yvonne Züger: Das Siedlungscoaching ist das Bindeglied zwischen Bewohnenden und den Trägerschaften. Alle Anliegen laufen bei dieser Person zusammen, und die arbeitet eng mit den Fachpersonen Sozialarbeit der drei Organisationen zusammen.

Wel­che Rolle über­neh­men Sie nun, da so­zia­le Be­glei­tung Teil des Pro­jekts wird?

Andrea Martin-Fischer: Für uns in der MEG geht es darum, den Spirit wachzuhalten. Kooperation erfordert etwas mehr Aufwand, sie muss wachsen und gestützt werden. Auch das Siedlungsleben läuft nicht von selbst – darum investieren wir weiterhin bewusst gemeinsam.

Andrea Wieland: Wichtig ist jetzt, die Zusammenarbeit zu verankern. Neben der MEG Letzi wählen wir Kooperation auch in anderen Projekten. Sie braucht Ressourcen und Abstimmung, lohnt sich aber!

Drei Frauen in Geschäftskleidung posieren gemeinsam auf einer mit bunten Wimpeln geschmückten Holztreppe in einem modernen Innenbereich mit Betonwänden.
Die Gesprächspartnerinnen stehen für ein gemeinsames Verständnis und eine konstruktive Zusammenarbeit im Rahmen der MEG.
Was soll man in fünf Jah­ren über die Sied­lung Letzi sagen?

Yvonne Züger: Ich wünsche mir, dass man gerne hier wohnt – trotz der sehr urbanen Lage zwischen Bahngeleisen und Hohlstrasse sowie den knappen Aussenflächen im Quartier. Schön wäre, wenn die Siedlung positiv wahrgenommen würde.

Andrea Martin-Fischer: Eine Siedlung, die sich im Alltag als Vorzeigesiedlung zeigt – nicht nur Beton, sondern ein lebendiger, bunter Ort, der im Quartier bekannt und geschätzt ist.

Andrea Wieland: Ja, genau – eine Vorzeigesiedlung. Mit allen Höhen und Tiefen, denn Lernen gehört dazu. Die komplexe Zusammensetzung bietet viel Stoff dafür. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen sich mit der Siedlung identifizieren, dass die Siedlung Teil der Stadt ist und nicht isoliert wirkt.

Sied­lung Letzi auf einen Blick
  • Bauträgerinnen: Stiftung Familienwohnungen (SFW), Stiftung Alterswohnungen (SAW), Liegenschaften Stadt Zürich (LSZ)
  • Wohnraum für alle Generationen in Zürich-Altstetten
  • 265 Wohnungen sowie Gewerbe- und Gemeinschaftsräume auf 1500 m2
  • 53 Familienwohnungen der SFW, 81 Wohnungen von LSZ und 131 der SAW (im Hochhaus)
  • SFW, SAW und LSZ vermieten die Wohnungen direkt

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